Blog
Hier gibt es keine weichgespülten Standard-Tipps aus der Hundewelt, die klingen, als hätte sie jemand zwischen zwei Werbeanzeigen für Leckerlibeutel geschrieben.
Hier gibt es echte Geschichten.
Aus dem Alltag auf dem Rudelhof.
Von Hunden mit 48 offenen Tabs im Kopf.
Von Menschen, die lernen, ihre Hunde besser zu verstehen.
Von kleinen Fortschritten, großen Gefühlen, nassen Nasen, fliegenden Ohren und Momenten, in denen man entweder lacht – oder kurz überlegt, ob man sich beruflich nicht doch lieber mit Zimmerpflanzen beschäftigen sollte.
In diesem Blog teile ich Gedanken, Erfahrungen, Tipps und Einblicke rund um Hundebetreuung, Training, Tierschutzhunde, Angstverhalten, Alltag mit besonderen Kandidaten und das, was zwischen Mensch und Hund manchmal ziemlich kompliziert – aber auch ziemlich schön ist.
Nicht aus dem Lehrbuch.
Sondern aus dem echten Leben.
Schau gerne regelmäßig rein.
Hier gibt es immer wieder neue Geschichten, ehrliche Einblicke und vielleicht auch den ein oder anderen Text, bei dem du denkst:
„Ja. Genau so ist es.“
Und wichtig: ich nehme nicht nur euch hier und da auf die Schüppe - mich auch :-)
Geschichten vom anderen Ende der Leine
Einführung
Es gibt Menschen, die haben einen Hund.
Und es gibt Hundemenschen.
Falls du dieses Buch gerade liest, gehörst du vermutlich zur zweiten Kategorie.
Du erkennst das daran, dass du mehr Fotos von deinem Hund als von deinen Kindern auf dem Handy hast. Dass du die Konsistenz des letzten Haufens genauer beschreiben kannst als deinen letzten Urlaub. Und dass du nachts um drei im Schlafanzug im Garten stehst und einem Lebewesen beim Kacken gut zuredest.
Herzlichen Glückwunsch.
Du bist einer von uns.
Ich bin Friederike.
Mutter von zwei inzwischen erwachsenen Kindern, ehemalige Rettungssanitäterin, staatlich geprüfte Desinfektorin, Hundetrainerin und Betreiberin des Rudelhofs.
Oder anders gesagt:
Ich bin beruflich und privat von Lebewesen umgeben, die regelmäßig fragwürdige Entscheidungen treffen.
Die Hunde verstehen meistens ziemlich schnell, wie die Welt funktioniert.
Bei den Menschen dauert es manchmal etwas länger.
Seit ich denken kann, begleiten mich Hunde.
Mein Vater hatte Labradore.
Meine Mutter Dackel.
Falls du dich also irgendwann fragst, warum ich so bin, wie ich bin:
Das erklärt vermutlich schon sehr viel.
Vom Labrador habe ich dieses grundsätzliche:
„Ach komm, das wird schon.“
Vom Dackel:
„Das diskutieren wir jetzt aus.“
Und zwar so lange, bis einer heult.
Meistens ich.
In meinem Leben gab es Pflegehunde, Urlaubshunde, Tierschutzhunde und solche, bei denen man sich nach fünf Minuten fragt, ob man eigentlich noch alle Latten am Zaun hat.
Es gab Hunde mit Größenwahn, Kontrollzwang und 48 offenen Tabs im Kopf.
Hunde, die gelernt haben, dass sie alles allein regeln müssen.
Und Menschen, die mit der besten Absicht der Welt trotzdem komplett auf dem Holzweg waren.
Denn das ist das Verrückte:
Die meisten Geschichten beginnen nicht mit dem Hund.
Sie beginnen am anderen Ende der Leine.
Mit einem Menschen.
Mit Hoffnungen.
Mit Erwartungen.
Mit Unsicherheiten.
Mit dem Wunsch, alles richtig zu machen.
Und manchmal mit der völlig verrückten Idee, dass Liebe allein schon reichen wird.
Spoiler:
Tut sie nicht.
Liebe ist wichtig.
Aber Liebe ersetzt keine Sicherheit.
Keine Führung.
Kein Verständnis.
Und ganz bestimmt keine ehrliche Auseinandersetzung mit sich selbst.
Dieses Buch ist kein Ratgeber.
Es wird keine Zehn-Punkte-Pläne geben.
Keine Wunderlösungen.
Und keine Versprechen, dass dein Hund nach Kapitel sieben perfekt an der Leine läuft.
Dafür gibt es Geschichten.
Lustige.
Traurige.
Absurde.
Geschichten über Dackel, die mich gehasst haben.
Über kleine Spitz-Diktatoren mit Weltherrschaftsplänen.
Über Hunde, die erst lernen mussten, dass Knurren erlaubt ist.
Und über Menschen, die entdeckt haben, dass sie gar nicht ihren Hund verändern mussten.
Sondern sich selbst.
Denn wenn ich in all den Jahren eines gelernt habe, dann das:
Die eigentliche Frage ist nie:
„Was stimmt mit diesem Hund nicht?“
Sondern:
„Was ist ihm passiert?“
„Was fehlt ihm?“
Und:
„Was braucht er von uns?“
Also lehn dich zurück.
Lach mit mir.
Wein mit mir.
Schüttle den Kopf über die eine oder andere Entscheidung.
Und falls du dich in manchen Geschichten wiedererkennst:
Keine Sorge.
Wir Hundemenschen sind alle ein bisschen verrückt.
Aber wir lieben verdammt gut.
Willkommen bei den Geschichten vom anderen Ende der Leine.
Der Hundemensch Teil 1
Hundemensch – Teil 1
Der, der nicht nur eine Leine hat, sondern die Edition für alle Lebenslagen.
Es gibt Menschen.
Und es gibt Hundemenschen.
Der Unterschied?
Normale Menschen besitzen eine Leine.
Hundemenschen besitzen einen Leinen-Fuhrpark.
Ich habe Kunden, die könnten spontan einen Baumarkt eröffnen.
„Welche Leine hätten Sie denn gerne?“
Kurz.
Lang.
Mittel.
Verstellbar.
Dreifach verstellbar.
Schleppleine.
Biothane.
Leder.
Gurtband.
Mit Handschlaufe.
Ohne Handschlaufe.
Mit Panikhaken.
Mit Karabiner aus Raumfahrttechnik.
Für Regen.
Für Sonne.
Für Dienstag.
Für schlechte Entscheidungen.
Für den Fall, dass die andere Leine plötzlich beschließt, sich selbstständig zu machen.
Und dann dieser Blick, wenn man fragt:
„Warum hast du 14 Leinen?“
Als hätte man gerade gefragt, warum Sauerstoff existiert.
„Ja, aber DIE hat doch einen anderen Karabiner!“
Ach so.
Entschuldigung.
Natürlich.
Mein Fehler.
Noch schlimmer wird es bei Geschirren.
Der Hund besitzt:
Das Alltagsgeschirr.
Das Sonntagsgeschirr.
Das Sicherheitsgeschirr.
Das Ersatzsicherheitsgeschirr.
Das neue Geschirr.
Und das alte Geschirr, das eigentlich zu klein ist, aber man weiß ja nie.
Der Hund wiegt 18 Kilo.
Seine Ausrüstung ungefähr 24.
Und dann kommt der Spaziergang.
Der Hund steht seit 20 Minuten an der Tür.
Bereit.
Motiviert.
Startklar.
Der Hundemensch rennt währenddessen durchs Haus wie ein Huhn auf Koffein:
„WO SIND DIE KACKBEUTEL?!“
Die liegen natürlich genau da, wo sie gestern auch lagen.
Neben den anderen 600 Kackbeuteln.
Denn Hundemenschen kaufen Kackbeutel grundsätzlich so ein, als würde die Weltwirtschaft morgen zusammenbrechen.
Irgendwann geht es dann los.
Drei Schritte.
Der Hund pinkelt.
Der Hundemensch macht 17 Fotos.
Vier davon werden sofort verschickt.
Mit dem Text:
„Guck mal wie süß.“
Der Hund hebt nur das Bein.
Aber egal.
SÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜSS.
Und dann trifft man den Endgegner:
Einen anderen Hundemenschen.
Was folgt, ist ein Naturphänomen.
Beide kennen sich nicht.
Wer sie sind?
Keine Ahnung.
Wo sie wohnen?
Keine Ahnung.
Aber nach fünf Minuten kennen beide:
-
die komplette Krankengeschichte des Hundes,
-
seine Allergien,
-
seine Lieblingssnacks,
-
die Konsistenz seines letzten Durchfalls,
-
und warum er im November 2023 plötzlich Angst vor Mülltonnen entwickelt hat.
Die Namen der Besitzer erfährt niemand.
Die Hunde heißen dagegen selbstverständlich:
Flocke.
Balu.
Maja.
Mio.
Sir Lord Schnuffel von Wackelschwanz.
Und wenn einer stirbt, wissen plötzlich 500 Menschen im Internet Bescheid.
Wenn der eigene Mann stirbt, merkt es Facebook drei Wochen später.
Hundemenschen sind anders.
Und ganz ehrlich?
Zum Glück.
🐾😂
Der Hundemensch Teil 2
Hundemensch – Teil 2
Der Mensch, der für seinen Hund ein orthopädisches Bett für 180 Euro kauft und selbst seit 8 Jahren auf einer Matratze schläft, die aussieht wie ein Tagebaugebiet.
Hundemenschen haben Prioritäten.
Und diese Prioritäten haben Fell.
Der Hund bekommt:
✔ Orthopädisches Bett
✔ Premiumfutter mit Lachs aus glücklicher Freilandhaltung
✔ Maßgeschneidertes Geschirr
✔ Physiotherapie
✔ Nahrungsergänzung
✔ Wärmedecke für den Winter
✔ Kühlmatte für den Sommer
Der Hund schläft wie ein König.
Der Mensch daneben liegt auf einer Matratze, die seit der WM 2006 Rückenschmerzen produziert.
Aber wehe Bello hustet einmal.
Dann sitzt der Hundemensch um 3 Uhr nachts bei Google:
„Kann ein einzelner Huster auf eine seltene Tropenkrankheit hindeuten?"
Zwei Minuten später:
„Karl-Heinz, wir fahren in die Tierklinik.“
„Es ist drei Uhr morgens.“
„ER HAT GEHUSTET!“
Der Tierarzt sagt am Ende:
„Er hat vermutlich einen Grashalm eingeatmet.“
Rechnung: 387 Euro.
Antwort des Hundemenschen:
„Hauptsache dem Schatz geht es gut.“
Am nächsten Tag:
Eigener Zahnschmerz.
Seit vier Wochen.
Termin beim Zahnarzt?
Ach Quatsch.
Das geht bestimmt wieder weg.
Hundemenschen würden für ihren Hund innerhalb von 15 Minuten 800 Euro organisieren.
Für sich selbst überlegen sie drei Monate, ob sie sich neue Schuhe leisten können.
Und dann kommt die Sache mit dem Essen.
Der Hund bekommt:
Lachs.
Rind.
Wild.
Gemüse.
Kräuter.
Öle.
Zusätze.
Alles grammgenau abgestimmt.
Der Hundemenschen selbst?
Steht um 22:30 Uhr in der Küche und frisst trockene Ravioli direkt aus der Dose.
Mit einer Grillzange.
Weil kein sauberes Besteck mehr da ist.
Und trotzdem sagt er:
„Wir müssen auf die Ernährung achten.“
WIR.
Der Hund hat inzwischen bessere Blutwerte als sein Besitzer.
Und während normale Menschen Urlaubsfotos zeigen, zeigt der Hundemensch 847 Bilder.
Von seinem Hund.
Schlafend.
Anders schlafend.
Liegend.
Anders liegend.
Mit Ball.
Ohne Ball.
Mit halb geöffnetem Auge.
Mit komplett geöffnetem Auge.
Mit einem Blatt auf dem Kopf.
„Guck mal wie süß!“
NEIN KAREN.
DAS IST DAS GLEICHE FOTO WIE DIE 46 DAVOR.
„Nein! Da hält er den Kopf drei Millimeter weiter links!“
Ach so.
Entschuldigung.
Natürlich.
Mein Fehler.
Hundemenschen sind völlig verrückt.
Und genau deshalb lieben wir sie.
🐾
Der Hundemensch Teil 3
Hundemensch – Teil 3
Der Mensch, der eigentlich nur eine kleine Runde gehen wollte.
Hundemenschen verlassen das Haus nicht.
Sie verschwinden.
„Ich bin in 20 Minuten wieder da.“
Das sind dieselben Menschen, die um 14 Uhr losgehen und um 18:47 Uhr wieder auftauchen.
Mit Sonnenbrand.
Drei Zecken.
Einem leeren Akku.
Und einem Hund, der plötzlich nicht mehr ihnen gehört.
„Wo kommt der her?“
„Der ist mir zugelaufen.“
„Und warum trägt er schon ein neues Geschirr?“
„Weil Sicherheit wichtig ist.“
Hundemenschen haben ein ernsthaftes Problem.
Normale Menschen sehen einen fremden Hund und denken:
„Oh, ein Hund.“
Hundemenschen denken:
„Wann hat der zuletzt gefressen? Hat der genug Wasser? Warum schaut er so? Wer hat ihm weh getan? Ich nehme ihn mit.“
Deshalb besitzen Hundemenschen grundsätzlich keinen Kofferraum.
Sie besitzen eine mobile Notaufnahme.
Darin befinden sich:
-
14 Leinen
-
6 Liter Wasser
-
3 Näpfe
-
27 Kackbeutelrollen
-
ein Handtuch
-
ein Ersatzhandtuch
-
ein Handtuch für das Ersatzhandtuch
-
und irgendwo eine Leberwursttube von 2023.
Man weiß nie.
Vielleicht muss man unterwegs spontan einen Golden Retriever adoptieren.
Dann trifft man einen anderen Hundemenschen.
Fehler.
Großer Fehler.
Aus einem „Hallo“ werden drei Stunden.
Niemand weiß mehr, worum es ursprünglich ging.
Irgendwann sitzen fünf Erwachsene im Wald und analysieren gemeinsam ein Gähnen.
„War das Stress?“
„Nee.“
„Beschwichtigung?“
„Vielleicht.“
„Magen-Darm?“
„Könnte sein.“
Der Hund frisst währenddessen einen Stock.
Die eigentliche Katastrophe beginnt aber, wenn ein Hundemensch sagt:
„Ich gucke nur mal.“
Das sind dieselben Menschen, die auf der Seite eines Tierschutzvereins landen.
Eine Minute später:
„Oh Gott.“
Fünf Minuten später:
„Der arme Schatz.“
Zehn Minuten später:
„Simon, hör mir zu. Ich erkläre dir jetzt ganz sachlich, warum wir diesen Hund dringend brauchen.“
Niemand.
Wirklich niemand auf diesem Planeten.
Hat jemals einen Hund so schnell gekauft wie ein Hundemensch, der eigentlich nur gucken wollte.
Und dann kommt der Satz aller Sätze:
„Wir wollten doch eigentlich nur einen Hund.“
HAHAHAHA.
Der war gut.
Irgendwann leben dort:
-
ein eigener Hund,
-
ein Pflegehund,
-
ein Urlaubshund,
-
ein Notfallhund,
-
ein Hund, der nur übers Wochenende bleiben sollte,
-
und einer, bei dem bis heute keiner weiß, warum er eigentlich eingezogen ist.
Der Partner fragt irgendwann vorsichtig:
„Findest du nicht, dass es langsam reicht?“
In diesem Moment erscheint aus dem Nichts ein weiterer Hund.
Der Hundemensch:
„Ach guck mal. Der braucht Hilfe.“
Der Partner:
„NEIN.“
Der Hund:
👁️🥺👁️
Der Hundemensch:
„Er hat mich ausgesucht.“
Ende der Diskussion.
Hundemenschen retten keine Hunde.
Hunde sammeln Hundemenschen.
Und manche von uns sind offensichtlich selten dämlich leicht zu finden.
🐾🤣💸❤️
Der Hundemensch Teil 4
Hundemensch – Teil 4
Der Mensch, der 500 Euro für Hundetraining bezahlt und dann erfährt, dass er selbst das Problem ist.
Jeder Hundemensch kennt diesen Moment.
Man fährt voller Überzeugung zum Hundetrainer.
Auf dem Weg dorthin hält man noch einen Monolog:
„Der hört nicht.“
„Der macht was er will.“
„Der ist stur.“
„Der testet Grenzen.“
„Der macht das extra.“
Der Hund liegt hinten im Auto und schläft.
Der Hundetrainer schaut den Hund an.
Der Hund schaut den Hundetrainer an.
Der Hund setzt sich.
Der Hund bleibt sitzen.
Der Hund läuft locker an der Leine.
Der Hund begrüßt höflich.
Der Hund zeigt sich von seiner besten Seite.
Der Hundetrainer schaut langsam zum Menschen.
Und plötzlich fühlt man sich wie ein Angeklagter vor Gericht.
„Seit wann macht er das?“
Der Hund:
seit ungefähr nie.
Der Mensch:
„ZU HAUSE IST DER GANZ ANDERS!“
Der Hund:
Nein.
Dann kommt der Satz, vor dem sich Hundemenschen mehr fürchten als vor einer Tierarztrechnung:
„Zeigen Sie mal, wie Sie das machen.“
Und dann beginnt die öffentliche Hinrichtung.
„Sitz!“
„Platz!“
„Nein!“
„Hier!“
„Aus!“
„Lass das!“
„Nein!“
„Milo!“
„MILO!“
„MIIIIILOOOOOO!“
Der Hundetrainer:
„Sie haben ihm in sieben Sekunden acht Kommandos gegeben.“
Der Hund:
„Und keines davon verstanden.“
Der Mensch:
„...“
Der Hundetrainer:
„Versuchen wir es nochmal.“
Der Mensch:
„Sitz!“
Der Hund setzt sich.
Der Mensch:
„JAAAAAAA! FEIN! SUPER! TOLL! WELTKLASSE! DU BIST EIN GENIE! EIN ABSOLUTER AUSNAHMEHUND!“
Der Hundetrainer:
„Er hat sich hingesetzt.“
Der Mensch:
„ICH WEISS!“
Hundemenschen feiern Erfolge, als hätten ihre Hunde gerade Krebs geheilt.
Der Hund hat gepinkelt?
Fotos.
Der Hund hat geschlafen?
Fotos.
Der Hund hat geatmet?
Facebook-Post.
Der Hund hat heute ausnahmsweise niemanden angebrüllt?
Party.
Und dann kommt der Rückruf.
Die Königsdisziplin.
Zu Hause:
„Milo!“
Hund kommt.
Draußen:
„Milo!“
Hund hört.
Hund registriert die Information.
Hund trifft eine Entscheidung.
Hund entscheidet sich gegen den Menschen.
Der Mensch läuft inzwischen wie ein schlecht programmierter Pokémon-Trainer durch den Wald:
„MILO! HIER! SOFORT! MILO! HIER! MILO! MILO! MILO!“
Der Hund:
Nein.
Und während der Mensch kurz vor dem Nervenzusammenbruch steht, erklärt der Hundetrainer:
„Sie müssen attraktiver sein als die Umwelt.“
ATTRAKTIVER ALS DIE UMWELT.
Brigitte.
Vor deinem Hund steht ein Reh.
Ein echtes Reh.
Mit Geschwindigkeit.
Mit Spannung.
Mit Abenteuer.
Und du wedelst mit einem halben Frolic.
Natürlich verlierst du.
Die Wahrheit ist:
80 % aller Hundetrainings bestehen daraus, dem Menschen mitzuteilen, dass sein Hund völlig normal ist.
Der Hund zieht?
Normal.
Der Hund bellt?
Normal.
Der Hund frisst Mist?
Normal.
Der Hund hört draußen schlechter als drinnen?
Normal.
Der Mensch hingegen steht im Regen, hält Käsewürfel in der Tasche, trägt Kotbeutel im Wert einer mittleren Eigentumswohnung mit sich herum und diskutiert seit drei Stunden in einer Facebook-Gruppe über die emotionale Bedeutung eines linken Ohrzuckens.
Und DAS, liebe Freunde, ist der wahre Grund, warum Hundetrainer überhaupt existieren.
Nicht wegen der Hunde.
Wegen uns.
🐾🤣🍷
Der Hundemensch Teil 5
Hundemensch – Teil 5
Der Mensch, der nur kurz Hundefutter kaufen wollte.
Es gibt Sätze, die lösen bei Partnern, Freunden und Bankberatern sofort Schnappatmung aus.
Ganz weit vorne:
„Ich muss nur mal eben in den Tierladen.“
„Nur mal eben.“
HAHAHAHA.
Der Hundemensch betritt den Laden mit einem klaren Auftrag:
Eine Tüte Futter.
Zehn Minuten später steht er an der Kasse.
Mit:
-
drei Kauwurzeln,
-
zwei neuen Spielzeugen,
-
einem Quietsch-Schaf,
-
einem Leuchthalsband,
-
einem Futterdummy,
-
Hundeeis,
-
Pfotenbalsam,
-
einer Schleckmatte,
-
einem Schnüffelteppich,
-
und natürlich einer XXL-Packung Leckerchen.
Das Futter?
Hat er vergessen.
An der Kasse dann die obligatorische Frage:
„Sammeln Sie Punkte?“
PUNKTE?
Freundin, ich habe hier gerade Waren im Wert eines Kleinwagens auf dem Band.
Natürlich sammle ich Punkte.
Der Hundemensch kennt den Kontostand oft nicht.
Aber er kennt den Rabattcode seines Lieblings-Hundeshops auswendig.
Während normale Menschen nachts Schuhe shoppen, sitzt der Hundemensch um 23:48 Uhr auf dem Sofa und murmelt:
„Das neue Sicherheitsgeschirr gibt es heute 15 Prozent günstiger.“
Der Hund besitzt inzwischen:
-
mehr Mäntel als der Mensch,
-
mehr Betten als der Mensch,
-
bessere Winterkleidung als der Mensch,
-
und einen eigenen Schrank.
Der Mensch selbst?
Trägt seit sechs Jahren dieselbe Jacke.
Mit einem Loch in der Tasche.
Aber Hauptsache, der Hund hat für jede Wetterlage das passende Outfit.
22 Grad?
Sommermantel.
18 Grad?
Übergangsmantel.
12 Grad?
Regenmantel.
5 Grad?
Wintermantel.
Der Hund schaut den Menschen an und denkt:
„Ich habe Fell, Birgit.“
Und dann passiert es.
Man sieht im Laden diesen Blick.
Diesen einen Blick.
Der Hund schaut eine Kaustange an.
Der Hundemensch schaut aufs Preisschild.
12,99 Euro.
Völlig absurd.
Der Hund legt den Kopf schief.
Spiel vorbei.
Die Kaustange liegt im Einkaufswagen.
Zusammen mit fünf weiteren.
Denn niemand kauft nur eine Kaustange.
Der Höhepunkt kommt an der Kasse.
„Das macht dann 143,78 Euro.“
Der Hundemensch schluckt kurz.
Zückt die Karte.
Bezahlt.
Ohne mit der Wimper zu zucken.
Am nächsten Tag im Supermarkt:
„4,29 Euro für Erdbeeren? Haben die den Verstand verloren?“
Hundemenschen haben Prioritäten.
Und diese Prioritäten sabbern.
🐾💸🤣
Der Hundemensch Teil 6
Hundemensch – Teil 6
Der Mensch, der nachts aufsteht, weil sein Hund im Schlaf komisch geatmet hat.
Es ist 2:37 Uhr.
Normale Menschen schlafen.
Hundemenschen nicht.
Hundemenschen liegen stocksteif im Bett und lauschen.
Atmet er noch?
Atmet er zu schnell?
Zu langsam?
Warum atmet er heute links?
Hat er das Geräusch gestern auch gemacht?
War das schon immer so?
Der Hund schnarcht.
Der Hundemensch googelt:
„Schnarchen beim Hund – sofort Tierklinik?“
Drei Minuten später ist klar:
Es könnte alles sein.
Von „liegt ungünstig“ bis „seltene Tropenkrankheit, die bisher nur bei drei Alpakas in Peru festgestellt wurde“.
Der Hund schläft tief und fest.
Der Mensch nicht mehr.
Um 2:48 Uhr wird vorsichtig überprüft, ob die Nase noch feucht ist.
Um 2:52 Uhr wird die Atmung gezählt.
Um 2:54 Uhr leuchtet das Handy wie ein Flutlichtstrahler ins Gesicht des Hundes.
Der Hund öffnet ein Auge.
Dieser Blick sagt:
„Was stimmt eigentlich nicht mit dir?“
Und er hätte recht.
Denn Hundemenschen entwickeln Superkräfte.
Sie hören im Tiefschlaf den Unterschied zwischen:
„Hund dreht sich um.“
„Hund kratzt sich.“
„Hund träumt.“
Und:
„Oh Gott, der hat gekotzt.“
Beim letzten Geräusch steht der Hundemensch senkrecht im Bett.
Ohne Brille.
Ohne Orientierung.
Aber mit der Geschwindigkeit eines olympischen Sprinters.
Man findet im Dunkeln:
den Hund,
die Kotze,
und leider auch mit dem nackten Fuß die Kotze.
Ein Erlebnis, das niemand braucht.
Und trotzdem würde der Hundemensch keine Sekunde zögern.
Weil dieser verrückte Vierbeiner längst nicht mehr einfach nur ein Haustier ist.
Er ist Familie.
Er ist beste Freundin, Therapeut, Seelentröster, Abenteuerpartner und manchmal der einzige Grund, warum man morgens überhaupt aufsteht.
Er hört zu, ohne zu urteilen.
Er bleibt, wenn andere gehen.
Er liebt uns sogar dann, wenn wir aussehen wie ein Waschbär auf Restalkohol und seit drei Tagen dieselbe Jogginghose tragen.
Und genau deshalb haben Hundemenschen 14 Leinen, 3000 Fotos auf dem Handy und ein Konto, das regelmäßig um Hilfe ruft.
Genau deshalb fahren sie nachts in die Tierklinik, schlafen halb auf der Bettkante und planen ihren Urlaub danach, ob Hunde erlaubt sind.
Und genau deshalb würden sie es immer wieder tun.
Jeden Spaziergang.
Jede schlaflose Nacht.
Jede Tierarztrechnung.
Jedes Haar auf der schwarzen Hose.
Denn am Ende sind wir nicht die Menschen, die Hunde gerettet haben.
Ganz oft sind es die Hunde, die uns gerettet haben.
🐾❤️
Ende der Reihe „Hundemensch“.
Und jetzt entschuldigt mich bitte. Ich muss nachsehen, warum mein Hund gerade so verdächtig ruhig ist. 😅